Alois Gmür

Interview mit Alois Gmür, CVP

Advanon hatte auch die Möglichkeit Alois Gmür von der CVP für ein Interview in Bern zu treffen. Herr Gmür ist seit 2011 im Nationalrat und Mitglied der Finanzkommission und Arbeitsgruppe Insieme der Geschäftsprüfungskommission. Ausserdem ist er Präsident Spezialkommission “Neues Führungsmodell für die Bundesverwaltung NFB”. Als Braumeister in der eigenen Familienbrauerei sieht er täglich, wie wichtig wirtschaftsorientierte Rahmenbedingungen für KMU sind und setzt sich daher auch aktiv dafür ein.

Advanon: Die Schweizer Bevölkerung hat in den vergangenen Jahren bei einigen Initiativen nicht den Wünschen der grossen Wirtschaftsverbände entsprochen. Wie erklären Sie sich diese Diskrepanz trotz traditioneller Näher der Bevölkerung zur Wirtschaft?

Alois Gmür: Also der Schweiz geht es momentan sehr gut und das kann zu Übermut führen. Die Wirtschaft hat in verschiedenen Angelegenheiten übertrieben. Nehmen wir beispielsweise die Abzocker-Initiative, die wahnsinnige Saläre aufgedeckt hat. Jeder, der sich politisch engagieren möchte, kann davon ausgehen, dass man Unterstützung bekommt. Bei der Masseneinwanderungsinitiative sehe ich die Problematik, dass die Wirtschaft unaufhörlich wächst und man sollte auch begreifen, dass die Wirtschaft “zu viel” wachsen kann und das hat wiederrum dazu geführt, dass die knappe Mehrheit sich dazu entschieden hat gegen dieses unaufhörliche Wachstum zu stimmen. Grundsätzlich kommt das Gefühl auf, dass die Wirtschaft übertreibt. Im Idealfall sollte die Wirtschaft für den Menschen da sein und nicht umgekehrt. Hier die Balance zu finden ist sehr schwierig. Momentan kommt das Gefühl auf, dass der Mensch ein Instrument der Wirtschaft geworden ist und hier sehe ich den Grund für den Ausgang der Initiativen.

Advanon: Würden Sie also von einem Verschlafen der Wirtschaftsverbände gegenüber den Bedürfnissen der Bevölkerung sprechen?

A.G.: Ja!

Advanon: Sehen Sie die gute Wettbewerbsposition der Schweiz durch diese Initiativen und v.a. deren Ergebnisse gefährdet?

A.G.: Ja das sehe ich. Es gibt immer weniger Neuansiedlungen und es findet momentan eine schleichende Deindustrialisierung statt. Beispielsweise hält die Masseneinwandlungsinitiative viele Unternehmen davon ab, überhaupt in der Schweiz wirtschaftlich tätig zu sein. Ich sehe auch die Auflagen – beispielsweise die Landschaftsinitiative -, die der Schweizer Wirtschaft nicht zu Gute kommen. Natürlich ist es aber ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren, die die Wettbewerbsfähigkeit beeinflussen.

Advanon: Unser Start-Up wurde von einem Schweden, einem Holländer und mir (Schweizer) gegründet. Wie soll ich meinen beiden Kollegen erklären, dass die Schweiz nach wie vor die beste Wahl in Europa ist (wovon ich natürlich überzeugt bin)?

A.G.: Ich denke nach wie vor ist die Schweiz das wettbewerbsfähigste Land. Ausserdem ist die Schweiz auch innovativ und hat sehr viele gut ausgebildete Arbeitskräfte. Der Arbeitsmarkt funktioniert meiner Meinung nach. Zudem denke ich, dass die Behörden auf Anliegen sehr wirtschaftsfreundlich reagiert und diese auch ernst nimmt. Von dem her kann ich sagen, man ist gut beraten, wenn man ein Unternehmen in der Schweiz aufzieht.

Advanon: Wir haben bislang gemerkt, dass bürokratische und langwierige Abläufe mit den Schweizer Behörden ein Problem sind. Insbesondere für junge Unternehmen ohne finanzielle Ressourcen kann dies zum Problem werden. Ist das ein Punkt auf Ihrer politischen Agenda und wenn ja, wie gehen Sie dagegen vor?

A.G.: Bei mir ist es ganz klar ein Thema. Ich habe erst kürzlich eine Motion eingereicht, dass man unterjährige AHV-Meldungen in Zukunft weglassen soll. Unter anderem wegen Schwarzarbeit war dies gewünscht, aber es ist bürokratischer Unsinn. Die fallen nun weg, das Parlament hat meiner Motion zugestimmt – das ist ein konkretes Beispiel. Als ausbildender Braumeister bin ich momentan damit konfrontiert, dass neue Prüfungsauflagen geschaffen wurden, die einen langen Prozess mit sich ziehen und erneut eine wahnsinnige Menge an Bürokratie kreiiert. Hier bin ich im e-Mail Kontakt mit den Ämtern und das ist mir persönlich ein sehr wichtiges Anliegen.

Advanon: Was geben Sie jungen Unternehmern mit auf den Weg? Können sie sich auf Sie als Sprachrohr für Start-Ups verlassen?

A.G.: Natürlich bin ich nicht nur Wirtschaftsvertreter – ich sehe mich nicht als Sklave der Wirtschaft. Nichtsdestotrotz setze ich mich für die Wirtschaft ein. Für günstigere Rahmenbedingungen und für eine effiziente Ausbildung.

Advanon: Wie sehen Sie den Ausgang der letzten Wahlen?

A.G.: Das Parlament wird wirtschaftsfreundlicher, allerdings wird die Schweiz immer mehr abgeschottet. Das ist ein Teufelskreis.

 

Wir danken Alois Gmür an dieser Stelle für seine Einsichten und seinen Einsatz für die Schweizer Wirtschaft.

 

 


Über Advanon:

Gestartet im Juli 2015, ist Advanon die erste Online Plattform in der Schweiz, die es KMU erlaubt ihre Rechnungen online von Privatinvestoren vorfinanzieren zu lassen. Durch das innovative Geschäftsmodell haben Unternehmen schneller und einfacher die Möglichkeit, ihre Finanzinformationen zur Verfügung zu stellen und somit das Risiko besser abzuschätzen. Das passionierte Team hat sich als Ziel gesetzt, den veralteten Factoring-Markt durch den Einsatz modernster Technologien zu revolutionieren. Dabei stehen Datenschutz und Qualitätsstandards immer im Vordergrund und sollen so dem Kunden höchste Komfortabilität bieten.

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Stijn Pieper

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