Düstere Zeiten für Banken - Banken im Fintech-Zeitalter

Düstere Zeiten für Banken im FinTech-Zeitalter

Revolution in der Finanzwelt: FinTech-Unternehmen in Form von IT-Start-ups nehmen sich vor, Finanzdienstleistungen mit Hilfe von innovativer Technik von Grund auf neu zu gestalten. Seit der Kryptowährung Bitcoin zeichnet sich die Erschütterung der Finanzwelt durch den digitalen Wandel ab. Mit digitaler Währung wird beim Geldtransfer gänzlich auf die Kontrolle durch staatliche oder privatwirtschaftliche Finanzinstitutionen verzichtet. Nicht die Art der Dienstleistungen macht FinTech-Unternehmen im Finanzsektor zu etwas Besonderem: Klassische Banken bieten dieselben Leistungen an. Nur fühlen sich die Finanzdienstleistungen von klassischen Instituten und FinTech-Unternehmen verschieden an. Das Grundprinzip ist einfach: Was unterscheidet den Lieblingseinkaufsladen von anderen, die in der Strasse dieselbe Ware anbieten? Vielleicht ist es der Sekt, der einem zum Einkauf serviert wird, die geringe Wartezeit vor den Kabinen oder die freundliche Verkäuferin. Kleine Details können grosse Wirkung haben. Dieses Prinzip ist FinTech-Unternehmen bekannt. Mit dem Detail radikaler Kundenorientierung erschüttern die Start-ups die Finanzwelt und zwängen sich in die Nische zwischen Bank und Kunden.

Filialsterben im 21. Jahrhundert

Banken erreichen das Digitalzeitalter. Zeitbedürfnissen wie Einfachheit und geringem Zeitaufwand versuchen klassische Banken mittlerweile mit Onlinebanking gerecht zu werden. Per Smartphone oder Rechner können Kunden heutzutage von Zuhause aus ihre Bankgeschäfte erledigen. Vor einer Dekade gab es Bankfilialen noch an jeder Strassenecke, aber heute werden Filialen von der Zeit überholt. Der Grund für das Filialsterben ist simpel: Wo Entspannungszeit zur Mangelware wird, mangelt es Kunden am Willen, ihre Freizeit um Termine in Bankfilialen zu beschneiden. Etliche Start-up-Unternehmen greifen die klassischen Banken und Sparkassen im Moment mit zeitgemässen Finanzdienstleistungen an. Onlinebanking mag von klassischen Banken ein Schritt in die richtige Richtung sein. Um den modernen Kunden aber dauerhaft zu befriedigen, reicht dieses Entgegenkommen nicht aus. Mit dem Markt der klassischen Finanzdienstleistungeogwird weit mehr verbesserungswürdig. Wer möchte sich heutzutage zum Beispiel noch in Abhängigkeit zu Bargeld, Bankautomaten und IBANs begeben, wenn FinTech-Unternehmen wie Cookies sekundenschnellen Geldversand und -empfang anbieten und den Geldtransfer auch noch mit Emojis aufhübschen? Die meisten FinTech-Unternehmen bieten ihre Dienstleistungen ausserdem kostenlos an. Besonders mit der Gebührenlosigkeit und der Transparenz von FinTechs können klassische Finanzinstitute nur schwer mithalten.

Gebührenkrieg – wieso Kunden klassischen Banken nicht mehr trauen

Der Gebührenkrieg mit Banken ist Anfang 2016 ein schlagzeilenwürdiges Thema. Etliche Banken heben ihre Gebühren regelmässig an. Die erste Gruppe der grösseren Bankinstitute verlangt prinzipiell horrende Überweisungsgebühren. Die zweite Gruppe erhebt jährlich höhere Kontoführungsgebühren oder stellt das Kontomodell regelmässig zu teureren Modellen um. Einzelne Banken verlangen mittlerweile sogar eine Jahresgebühr für Bank- oder Kreditkarten. In Deutschland ist das recht gut erkenntlich: Die Sparda-Bank in Essen kündigt Anfang 2016 zum Beispiel eine Bankkartengebühr von jährlich zehn Euro für das bisher unentgeltliche Girokonto an. Auch bei Berliner Sparda-Banken ist das Konto nicht mehr unentgeltlich: Nach der Einführung der negativen Einlagenzinsen durch die EZ passt die Bank die Gebühren an. Bankkarten kosten extra und auch Kreditkarten werden teurer. Noch drastischere Gebührenerhöhungen unternimmt die Sparkasse: Bei der Sparkasse Kleve sollen es laut der Westdeutschen Allgemeinen im April sogar 34 Prozent Gebührenerhöhung für Privatgirokonten gewesen sein. Internetportale berichten von zusätzlichen Kosten am Selbstbedienungsterminal für Überweisungen.

Intransparenz – wenn die eigenen Bankgeschäfte undurchschaubar werden

Der Gebührenkrieg ist für viele Bankkunden noch nicht einmal das Schlimmste. Noch viel dramatischer steht es um das Thema Transparenz. Wollen Verbraucher genau vergleichen, welches Kreditinstitut das günstigste Konto bietet, wird es leicht unübersichtlich. Die Kontomodelle sind kaum standardisiert: Der Leistungsumfang schwankt. Für Intransparenz dieser Art liefert die Kreissparkasse Leipzig Anfang diesen Jahres ein gutes Beispiel, als auf neue Kontomodelle mit zusätzlichen Leistungen und höheren Gebühren umgestellt wird. Auch unterschiedliche Entgelte und spezielle Bedingungen erschweren Verbrauchern den vergleichenden Blick auf klassische Finanzdienstleistungen. Preis-Leistungsverzeichnisse sind oft nicht ohne Weiteres zugänglich. Bankkunden möchten im 21. Jahrhundert aber nicht mit Intransparenz oder Undurchschaubarkeit konfrontiert sein, wenn es um die eigenen Bankgeschäfte geht.

Banktransformation im digitalen Zeitalter

So zeitbedürfnisorientiert, flexibel und innovativ wie FinTech-Start-ups können die grössere Geldhäuser in kurzer Zeit nicht werden. Um den Angriff der FinTech zu überleben, müssen Banken alte Strukturen aufbrechen, ihre eigenen Schwächen überwinden und sich mit den Zeitbedürfnissen bewegen. Laut Thomas Dapp könnte Bitcoins Blockchain mit Peer-to-Peer-Mechanismus langfristig zum Beispiel erfolgreiche Transaktionssysteme für das Finanzsystem schaffen. Eine Zukunft für Banken besteht nach Expertenmeinung nur, indem klassische Finanzinstitute selbst zu Online-Plattformen werden und innovative Entwicklungen in ihr Konzept integrieren. Während FinTechs im Regelfall nur eine Dienstleistung anbieten und dabei gezielt auf die Schwächen klassischer Banken setzen, könnten die Banken durch den Schritt zur Online-Plattform oder die Integration von FinTech-Lösungen zukünftig ihre Schwächen verlieren und den Start-ups damit die Angriffsfläche nehmen. In der Kooperation mit FinTechs (wie beispielsweise Advanon und die BLKB mit KMUcash.ch oder Advanon und die Hypothekarbank Lenzburg mit Hypicash.ch) können klassische Finanzinstitute von den technischen Entwicklungen profitieren. Die Bank der Zukunft muss ihr traditionelles Geschäftsmodell also um moderne Komponenten erweitern. Nach der Transformation zur offenen Plattform wären sämtliche FinTech-Ideen integrierbar. Banken würden anpassungsfähig bleiben, FinTechs könnten von neuen Kunden profitieren und die Kunden würden ein ganzes Spektrum an Dienstleistungen erhalten, das ihnen die Finanzverwaltung erleichtert.

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Katharina Boehringer

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