Bild 1: Beat Weinmann, CEO ochs und junior

Bild 1: Beat Weinmann, CEO ochs und junior

Diese Woche hatte Advanon die Gelegenheit, Beat Weinmann von ochs und junior für ein Interview zu treffen.

Die Uhrenfirma ochs und junior wurde 2006 gegründet und hat ihren Sitz in Luzern. Ihre Uhren werden von Ludwig Oechslin entworfen, dem innovativen Denker, der hinter einigen der Uhren mit den meisten Auszeichnungen der letzten 30 Jahre steckt. Im Gegensatz zur allgemeinen Uhrenbranche, die sich auf Komplikationen konzentriert, interessiert sich Oechslin für radikale Vereinfachungen. Geleitet wird ochs und junior vom Firmenmitbegründer Beat Weinmann. Seit 2012 ist neben den Gründern Ludwig Oechslin, Kornelia Imesch Oechslin und Beat Weinmann die Uhrenfirma Ulysse Nardin als strategischer Partner an ochs und junior beteiligt.

In der Finanzbranche wird oftmals von David gegen Goliath gesprochen beim Vergleich der kleinen Start-Up Player mit den Grossbanken. Bei Uhrenmanufakturen scheint der Vergleich kleiner Manufakturen mit den grossen etablierten Marken oftmals unangebracht. Wie erklären Sie sich die Wettbewerbsfähigkeit der „Kleinen“ in der Uhrenbranche?

B.W.: Als kleiner Uhrenhersteller haben sie nur eine Wettbewerbsfähigkeit, wenn Sie sich nicht mit den Grossen messen und das was die grossen Hersteller aufgrund ihres Firmen Set-ups nicht wirklich können, perfekt beherrschen zu versuchen. Die Luxusuhrenindustrie hat in den letzten Jahren vorallem an der Kommunikation und dem eigenen Vertriebsnetz gearbeitet. Die meisten Mittel gingen in diese zwei extrem kostenintensiven Bereiche. Ein kleiner Uhrenhersteller darf meiner Meinung nach keine Werbung machen und muss den Vertrieb auf eine von Fachhändlern unabhängige Art und Weise in den Griff bekommen. Also Berührungspunkte mit den Grossen der Branche, die für alles einfach mehr Geld zur Verfügung haben, gänzlich meiden.

Die absolute Grundvoraussetzung, um als kleiner Uhrenhersteller Erfolg zu haben, ist ein innovativ relevantes Produkt, das genug Distanz zum Angebot der grossen Hersteller schafft und ein hohes Mass an Alleinstellungsmerkmalen aufweist. Ohne das geht es nicht. Wenn nun das Produkt scharf formuliert ist, es dafür einen realistischen Markt gibt, die Produktionsmethodik geklärt ist, die Liquidität sichergestellt ist, muss geklärt werden wie das Produkt zum Kunden findet. Oder noch besser der Kunde zum Produkt. Die Kommunikationsidee und Verantwortung kann nicht extern delegiert werden. Das würde zu hohe finanzielle Ressourcen benötigen und die eingekaufte Kompetenz ist selten höher als wenn man es intern in den Griff bekommt.

Es sind also ganz viele Faktoren die stimmen müssen um als kleiner Uhrenhersteller im Umfeld der Luxusgüterindustrie bestehen zu können. Die effektive Wettbewerbsfähigkeit der meisten kleinen Uhrenhersteller sollte jedoch nicht überschätzt werden.

 

Bei ochs und junior bezeichnen Sie den Kundenkontakt als “Chefsache”, das ist natürlich in kaum einen grossen Unternehmen möglich. Glauben Sie, dass diese Kundennähe, die dadurch aufgebaut wird, eine Erfolgsgarantie ist? Oder sehen Sie das als Erfolgsvoraussetzung?

B.W.: Die Kundennähe ist eine der Hauptvoraussetzungen in einem Fächer von weiteren Punkten, die stimmen müssen, dass ein solches Unternehmen gelingt. Ein grosser Uhrenhersteller hat nie die höchste Kompetenzebene beim Kunden. Das wäre nie machbar. Nur schon durch den Verkaufskanal über den Uhrenfachhandel entsteht ein Kompetenzverlust, den der Kunde heute beim Verkaufsgespräch oder auch beim Service bemerken kann. Luxus hat heute auch mit Kompetenz, der richtigen Aufmerksamkeit und Sorgfalt zu tun. Wenn hier nicht delegiert werden muss, ist der Draht halt direkt. Kunden schätzen das heute umso mehr, da dies eben nicht der Normalität entspricht. Mit einer kleinen Firma muss die Effizienz in jeder Beziehung grösser sein. Eine grosse Firma kann sich mehr Reibungsverluste, Kompetenzeinbussen und Ineffizienz leisten. Auf der anderen Seite hängt dann bei einer grossen Firma auch nicht alles von einzelnen Personen ab. Beide Systeme haben somit Stärken und Schwächen.

 

Uhrenmanufakturen gehören zu den wenigen Feldern, die noch nicht so stark von der Digitalisierung beeinflusst sind. Findet Digitalisierung bei Ihnen im Unternehmen selbst statt?

B.W.: Klar! Ohne das Internet gäbe es ochs und junior nicht. Wir verkaufen pro Jahr etwa 150 Uhren  –  davon etwa 100 Stück an Kunden, die eine Kaufentscheidung treffen ohne dass sie eine Uhr von uns je in der Hand gehalten haben. Diese Kunden leben in New York, Sydney oder Singapur und entscheiden über den Kauf aufgrund dessen was sie im Internet über uns lesen oder direkt auf unserer Seite vorfinden. Wir sind die einzige Uhrenfirma, die eine sichere Internetseite hat. Wir haben wohl eine der am schnellsten ladenden Internetseiten weltweit. Wir sind die einzige Uhrenfirma, die konsequent nur hochauflösende Fotos von Produkten auf der Internetseite zeigt. Die Kompetenz für den Umgang mit dem Internet haben wir bei uns intern. Die verantwortliche Person dafür hatte früher bei Google im Silicon Valley gearbeitet. Mehr interne Kompetenz hat diesbezüglich (noch) keine andere Uhrenfirma. Das Fotostudio, in dem unsere Uhren abgelichtet werden, befindet sich zudem unter unserem Dach. Wir haben somit den direkten und jederzeit verfügbaren Zugriff auf dieses Medium.

 

Wie stehen Sie zu Smart Watches? Sehen Sie diese Produkte als Ergänzung oder direkte Konkurrenz zu den traditionellen Uhren?

B.W.: Der Medienhype, der um die Smart Watches entsteht, hilft dem Thema einer Zeitmessung am Handgelenk auf jeden Fall. Es kommt eine neue Generation auf die Idee, dass der Platz am Handgelenk eventuell praktischer ist als ein Smartphone so zu nutzen – wie unsere Urgrossväter die Taschenuhr.

Zurzeit kann eine Smart Watch einiges, aber nichts besonders gut. Und ein richtig „cooles“ Statement sind sie nicht. Da allerdings das Angebot bei traditionellen Uhren in der Preislage zwischen CHF 350.-  und CHF 1’500.- auch nicht sonderlich attraktiv ist, haben die Smart Watches in dem Segment relativ leichtes Spiel. Ob sich nun der Träger einer raffinierteren, mechanischen Uhr (die ja per se schon etwas Anachronismus zeigt) nun auch noch zusätzlich zum schon zu hohen E-Mail Verkehr und der Erreichbarkeit mit dem Smartphone, ein schlechtes Gewissen bei seiner Familie holen möchte und dann vollends zum Sklaven seines Unternehmens wird  –  eher nicht. Jeder Trend verursacht auch einen Gegentrend. Das sieht man in der Spitzengastronomie, wo statt Hummer und Kaviar einheimisches Biogemüse auf den Teller kommt und so ist das auch bei Luxusgütern wie Uhren. Dass die Schweizer Uhrenhersteller gegenüber den grossen und internationalen Techfirmen eventuell nicht die besten Karten haben, dürfte wahrscheinlich sein.

Bild 2: ochs und junior Uhr „mond phase“

Bild 2: ochs und junior Uhr „mond phase“

 

Vielen Dank Herr Weinmann für die sehr interessanten Einblicke in eine traditionell verankerte Schweizer Industrie. Ich wünsche Ihnen auf diesem Wege weiterhin Erfolg und dass ochs und junior den beeindruckenden Qualitätsstandards weiterhin treu bleiben wird.

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Stijn Pieper

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