Lange Zahlungsfristen

KMU sind von langen Zahlungsfristen belastet

Der European Payment Report von Intrum Justitia, eine schwedische Inkasso- und Kreditmanagement-Unternehmung, zeigt auf, welchen Effekt lange Zahlungsfristen auf KMU haben und aus welchen Gründen Kunden verspätet zahlen. Die Resultate des Reports lassen den Schluss zu, dass lange Zahlungsfristen für KMU belastend und volkswirtschaftlich ineffizient sind.

Auf europäischer Ebene kommt die Studie unter Anderem zu folgenden Erkenntnissen:

  • Konsumenten zahlen am pünklichsten. Sie sind im Durchschnitt nur 0.9 Tage im Verzug mit ihren Zahlungen. Unternehmen zahlen durchschnittlich 5.6 Tage zu spät und der öffentliche Sektor 7.2 Tage. Diese zahlen variieren jedoch stark in den verschiedenen Ländern.
  • Für einen Drittel aller befragten Unternehmen können lange Zahlungsfristen dazu führen, dass sie keine neuen Mitarbeiter anstellen. Ebenfalls ein Drittel der Befragten sehen verspätete Zahlungen gar als Bedrohung für das Überleben der Firma.
  • Die negativen Auswirkungen von verspäteten Zahlungen zeigen sich bei KMU stärker als bei Grossunternehmen. Das ist nicht sehr überraschend. Kombiniert mit dem Phänomen, dass Grossunternehmen mit ihrer Verhandlungsmacht oft längere Zahlungsfristen durchsetzen, ergibt das aber eine problematische Wettbewerbsverzerrung.

Spezifisch auf die Schweiz bezogen zieht Intrum Justitia folgende Schlüsse:

  • Im Europäischen Payment Risk Index (EPRI) dümpelt die Schweiz im Mittelfeld herum. Der EPRI aggregiert drei Komponenten: die Differenz zwischen gesetzlichen und tatsächlichen Zahlungsfristen, die Wahrscheinlichkeit, dass eine Forderung überfällig wird, und das Ausmass der Konsequenzen, welche verspätete Zahlungen auf Firmen im jeweiligen Land haben.
  • Die befragten Unternehmen in der Schweiz erwarten grösstenteils eine stabile Entwicklung des Risikos von Zahlungsausfällen ihrer Schuldner. 22% von ihnen sind eher pessimistisch und 9% eher optimistisch bezüglich dieses Risikos.
  • Die Hauptgründe für verspätete Zahlungen sind finanzielle Schwierigkeiten der Schuldner und absichtlich verspätete Zahlungen57% der befragten Unternehmen in der Schweiz wurden von ihren Schuldnern um verlängerte Zahlungsfristen gebeten.

Resultate mit Vorsicht geniessen

Die Resultate der Studie von Intrum Justitia sind mit Vorsicht zu geniessen, da die Inkasso-Firma kein gänzlich neutraler Player ist im Zahlungsmarkt. Trotzdem fällt auf, dass viele – vor allem kleine – Unternehmen unter verspäteten Zahlungen ihrer Schuldner leiden, während gleichzeitig viele Unternehmen aus Absicht verspätet zahlen, um ihre Liquidität zu optimieren. Dies ist eine volkswirtschaftliche Ineffizienz, die mit dem Prisoner’s Dilemma aus der Spieltheorie erklärt werden kann: Jeder hat ein Interesse, möglichst schnell bezahlt zu werden, aber niemand hat ein Interesse möglichst schnell zu zahlen. Gelindert wird diese Ineffizienz zum Beispiel durch die Möglichkeit der Rechnungsvorfinanzierung. Wenn Unternehmen sich ihre Debitoren vorfinanzieren lassen, sind sie weniger abhängig von den Zahlungsfristen ihrer Schuldner und können ihre Liquidität besser planen. Was für ein glücklicher Zufall, dass Advanon genau diese Factoring-Alternative anbietet!

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Phil Lojacono

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