Thomas Matter

Interview mit Thomas Matter, Nationalrat SVP

In der heutigen Fortsetzung unserer Interviewreihe führten wir ein Gespräch mit Thomas Matter. Herr Matter ist seit 2014 im Nationalrat der SVP und tritt damit die Nachfolge von Christoph Blocher an. Als Unternehmer war er schon immer politisch interessiert und hat den Quereinstieg 2010 gewagt. Seither setzt er sich unter anderem für eine liberale Wirtschaftsordnung und die direkte Demokratie ein.

Advanon: Die Schweizer Bevölkerung hat in den vergangenen Jahren bei einigen Initiativen nicht den Wünschen der grossen Wirtschaftsverbände entsprochen. Wie erklären Sie sich diese Diskrepanz trotz traditioneller Nähe der Bevölkerung zur Wirtschaft?

Thomas Matter: Die Abweichung betraf die so genannte „Minder“-Inititiative, wo der Unmut über einige allerdings bedauerliche Lohnexzesse von Managern allerdings gross und auch im unternehmerfreundlichen Milieu verbreitet war. Bei der Masseneinwanderungsinititiative hat der Souverän gemerkt, dass die nachteiligen Folgen eines jährlichen Bevölkerungsplus einer Stadt Luzern letztlich die Bevölkerung wie die Wirtschaft zu tragen haben. Bei wirtschaftsfeindlichen Initiativen wie der nationalen Erbschaftssteuer oder der Mindestlohninitiative wurde aber wiederum im Sinne der Wirtschaftsverbände abgestimmt.

Advanon: Sehen Sie die gute Wettbewerbsposition der Schweiz durch diese Initiativen und v.a. deren Ergebnisse gefährdet?

T.M.: Bislang haben die Volksrechte die Wettbewerbsposition der Schweiz keineswegs geschmälert. Wir verdanken den Stimmbürgern im Gegenteil, dass wir heute nicht Teil von EWR und EU sind. Was uns nachhaltig schwächt ist die Tatsache, dass wir mit den so genannten „flankierenden Massnahmen“ wichtige Teile unseres liberalen Arbeitsmarktes preisgeben und stattdessen wirtschaftsfeindliche Gesamtarbeitsverträge, tripartite Kommissionen und eine enorm teure Überwachungsbürokratie eingeführt haben.

Advanon: Unser Start-Up wurde von einem Schweden, einem Holländer und mir (Schweizer) gegründet. Wie soll ich meinen beiden Kollegen erklären, dass die Schweiz nach wie vor die beste Wahl in Europa ist (wovon ich natürlich überzeugt bin)?

T.M.: Die Schweiz ist nach wie vor nicht Mitglied der EU und geniesst in manchen Bereichen – gerade auch bei der Unternehmensbesteuerung oder bei der Mehrwertsteuer – grosse Wettbewerbsvorteile. Zudem ist das Klima gegenüber Start-ups und wirtschaftlicher Risikofreude noch immer intakter als in den meisten EU-Staaten. Wenn wir dazu auch wirklich weiterhin Sorge tragen. Von der hier zu geniessenden politischen Stabilität, Sicherheit, Bildung, Kultur, Verkehrsinfrastrukturen, Naturschönheit usw. ganz zu schweigen

Advanon: Wir haben bislang gemerkt, dass bürokratische und langwierige Abläufe mit den Schweizer Behörden ein Problem sind. Insbesondere für junge Unternehmen ohne finanzielle Ressourcen kann dies zum Problem werden. Ist das ein Punkt auf Ihrer politischen Agenda und wenn ja, wie gehen Sie dagegen vor?

T.M.: Was Sie ansprechen, ist ein grosses Problem und wird leider von unseren Behörden, ja selbst von manchen Wirtschaftsverbänden viel zu wenig erkannt. Die Bürokratie und die Staatstätigkeit haben sich laufend ausgeweitet. Wir müssen den immer grösser und teurer werdenden Beamtenapparat dringend zurückfahren. Das ist möglich, ohne dass deswegen staatlichen Leistungen abgebaut werden müssen.

Advanon: Was geben Sie jungen Unternehmern mit auf den Weg? Können sie sich auf Sie als Sprachrohr für Start-Ups verlassen?

T.M.: Selbstverständlich können sich altbewährte wie junge Unternehmungen vollkommen auf mich verlassen. Ich bin selber Unternehmer und Investor im KMU-Bereich und kenne die Sorgen und Nöte unserer Firmen. Es ist zwingend nötig, dass die dauerhafte Innovation durch Start ups gewährleistet bleibt, genauso, wie es nötig ist, dass vom Wettbewerb überholte, nicht mehr rentable Firmen eingehen können.


Über Advanon

Gestartet im Juli 2015, ist Advanon die erste Online Plattform in der Schweiz, die es KMU erlaubt ihre Rechnungen online von Privatinvestoren vorfinanzieren zu lassen. Durch das innovative Geschäftsmodell haben Unternehmen schneller und einfacher die Möglichkeit, ihre Finanzinformationen zur Verfügung zu stellen und somit das Risiko besser abzuschätzen. Das passionierte Team hat sich als Ziel gesetzt, den veralteten Factoring-Markt durch den Einsatz modernster Technologien zu revolutionieren. Dabei stehen Datenschutz und Qualitätsstandards immer im Vordergrund und sollen so dem Kunden höchste Komfortabilität bieten.

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Stijn Pieper

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